Ehemaliger Bundespräsident begeistert bei S-Forum
Rund 900 Gäste sind am 28. April 2026 der Einladung zur großen Kundenveranstaltung S‑Forum in die ausgebuchte Neue Tonhalle in Villingen gefolgt. Höhepunkt war der Vortrag des ehemaligen Bundespräsident Joachim Gauck – ein Auftritt, der unterhaltsam war, aber auch nachdenklich stimmte.
Der Abend begann mit einer herzlichen Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden Arendt Gruben, der einen kurzen Überblick über das abgelaufene Geschäftsjahr der Sparkasse Schwarzwald-Baar gab und den beeindruckenden Werdegang des Ehrengastes skizzierte. Dabei wies Gruben auch darauf hin, dass Joachim Gauck nicht zum ersten Mal Gast der Sparkasse war. Bereits im Jahr 2004 war er Redner bei einem S-Forum.
Zwischen Bedrohung und Diplomatie
Anschließend übernahm Joachim Gauck das Wort und hielt einen einstündigen Vortrag mit dem Titel „Die Welt im Umbruch – wollen wir Zuschauer oder Gestalter sein?“. Gauck verstand es meisterhaft, komplexe weltpolitische Entwicklungen in einer klaren, humorvollen und gleichzeitig kritischen Sprache zu vermitteln. Er zeigte auf, mit welchen Herausforderungen sich Deutschland im Wesentlichen konfrontiert sieht. Dies ist zum einen die externe Bedrohungen durch die aggressive Außenpolitik von Russland unter Präsident Putin, die seines Erachtens in dieser Form noch nie da gewesen ist. Hinzu kommen die Herausforderungen im transatlantischen Verhältnis durch die unberechenbare Führung der USA durch Donald Trump und die daraus resultierenden Spannungen. Hier verdeutlichte Gauck, dass ein „Machtwort“ Deutschlands gegenüber den USA nicht so einfach sei und ein diplomatisches Vorgehen zwingend erforderlich ist. „Wir brauchen die USA dringend, um der Ukraine zu helfen“, betonte der ehemalige Bundespräsident.
„Es ist eine Kultur in Deutschland, sich schlecht zu fühlen“
Und dann befasste sich Gauck auch noch mit den innerpolitischen Schwierigkeiten, der politischen Unzufriedenheit in Deutschland und den gesellschaftlichen Herausforderungen. „Es ist eine Kultur in Deutschland, sich schlecht zu fühlen“, sagte er. Allerdings machte er auch deutlich, dass das allein nicht das Problem sei. Er beleuchtete mit einem kritischen Blick auf die AfD den Ursprung der rechtspopulistischen Tendenzen in unserem Land und analysierte anschaulich, weshalb die liberale Demokratie immer wieder von Links und Rechts kritisiert und hinterfragt werden. Gauck betonte, dass Ängste und Unsicherheit die Grundursache vieler gesellschaftlicher Probleme seien. Für eine funktionierende liberale Demokratie sei deshalb eine stringente Führung unverzichtbar. Das sei in seinen Augen überhaupt kein Widerspruch, aber für eine funktionierende Demokratie müssten die Bürger Vertrauen in die Politik haben. Dieses fehle aktuell, bilde aber die Grundlage. Gauck bekräftigte: „Wir brauchen Patriotismus, aber keinen Nationalismus.“
Unterhaltsames Podiumsgespräch und ein emotionaler Appell
Den krönenden Abschluss bildete ein lebhaftes Podiumsgespräch, moderiert von Arendt Gruben und Stefan Lutz, Chefredakteur des Südkuriers. Gemeinsam mit Gauck diskutierten die Gesprächspartner aktuelle Themen und ließen den ehemaligen Bundespräsidenten ein leidenschaftliches Plädoyer für Demokratie halten. Bildhaft packte er einen „Korb voller Vorteile“ – von Meinungs- und Glaubensfreiheit über das Wahlrecht bis hin zu vielen weiteren Errungenschaften, die das Fundament einer offenen Gesellschaft bilden. „Das alles ist schützenswert und Grund genug, zuversichtlich an eine positive Zukunft zu glauben!“, schloss Joachim Gauck.
Der Abend hinterließ bei den Teilnehmenden ein starkes Gefühl von Mut und Zuversicht. Das S‑Forum zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu gestalten – und dabei die Werte einer liberalen Demokratie zu bewahren. Das Publikum quittierte den Auftritt Gaucks mit minutenlangen Standing Ovations und Applaus.